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Warum wir wieder alle mehr bloggen sollten

Seitdem soziale Netzwerke wie Facebook immer mehr Raum einnehmen, hat der ein oder andere Blog an Aktivität eingebüßt. Wozu ein Blogpost schreiben, wenn Facebook doch da ist und die ganzen Freunde und das Netzwerk darüber hinaus wie von Wunderhand über die eigenen Gedanken informiert?

Gleichwohl zeigt sich immer mehr auch die häßliche Seite dieser Entwicklung, nämlich die relativ unbedacht ausgeübte Zensur. Kürzlich wurde der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, für 24 Stunden gesperrt, weil er etwas über den Mohrenkopf geschrieben hat, also die Süßspeise aus Schaumspeise mit Schokoüberzug, der in meiner Kindheit hier einfach „Negerkuss“ hieß.

Nun ist Palmer, der ja auch den Grünen angehört, niemand, der in hoher Schlagzahl rassistische Inhalte auf Facebook verbreitet. Konkret ging es hier um eine alte Debatte in Tübingen, die sich um die Bezeichnung drehte und die die Verkaufszahlen im Fokus hatte.

Generell scheint die Zensur von Facebook suboptimal zu sein. So sind stillende Frauen wohl grundsätzlich ein NoGo wegen der Brüste und der damit einhergehenden Sexualität (?), während gewaltverherrlichende Posts häufig durchgehen.

Ohne die konkreten Richtlinien vorliegen zu haben, ist dies doch sehr bedenklich. So präsent, wie Facebook aktuell einfach ist, so relevant ist auch der Umgang mit Zensur. Das Ganze wird übrigens noch wichtiger, wenn man die Berichte über Bots und Influencer in Facebook bedenkt, die ja auch die für jeden sichtbaren Posts beeinflussen. Daher hat dann auch der gute Stecki recht, wenn er vorschlägt, dein eigenen Blog zu befüllen und den RSS-Reader auf Stand zu bringen, damit möglichst pluralistische Meinungen ihre Leser finden. Unabhängig davon, ob man sie teilt, sollte sie aber verfügbar sein in unserer Gesellschaft.

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Leseempfehlung: Nico Lumma zur Zerschlagung von Google

Ich hatte unlängst, noch vor der Entscheidung des Europaparlaments zu einer Zerschlagung von Google schon meine Bedenken ausgedrückt. Nachdem das Parlament – laut Medienberichten auch vorangetrieben durch den deutschen CDU-Europaparlamentarier Dr. Andreas Schwab aus Baden-Württemberg – diese Beschluss gefasst hat, hat Nico Lumma einen sehr lesens- und nachdenkenswerten Blogpopst zu dieser Thematik geschrieben, den ich hiermit jedem ans Herz legen möchte:

Nico Lumma: Die Sache mit dem Zerschlagen von Google

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Europas Probleme mit Google

Das Europaparlament will also Google zerschlagen. So berichten zumindest die Medien. Nach dem Eindruck, den Günther Oettinger seit seinem Antritt macht, stand so etwas zu befürchten. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Ja, Google ist groß, präsent und erfolgreich. Aber in was für einer Wirtschaftswelt leben wir, in dem das schlecht ist? Google ist ja gerade kein ehemaliges Staatsunternehmen, das in ein Monopol entlassen wurde wie die Bahn. Es war auch nicht von Anfang an dabei. Wer sich an die Anfänge des Internet erinnert, der kannte kein Google. Damals gab es Yahoo. Ein Unternehmen wie Google hat sich hochgearbeitet und erfolgreich am Markt platziert. Dafür sollte diesem Unternehmen Anerkennung erfahren und nicht die Zerschlagung angedroht werden.

Wenn man der Meinung ist, dass wir eine europäische Alternative zum US-amerikanischen Google brauchen, dann müssen wir hier in Europa und gerade in Deutschland die Rahmenbedingungen für Gründer im Allgemeinen und digitale Startups im Besonderen verbessern. Und dann wird der Markt es regeln, wenn dieser eine Nachfrage für eine weniger allmächtige Suchmaschine bietet.

Es kann doch heute nicht immer der Ruf nach Marktdirigismus sein, der erschallt, wenn Unzufriedenheit mit dem Gebaren eines Unternehmens herrscht. Die Marktwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten zu viel Wohlstand in Europa geführt. Dass dies im europäischen Parlament wohl nicht mehr allzu präsent zu sein scheint, muss einen mit Sorge erfüllen.

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Superungeil

Ich muss mich mal outen: Ich finde die die vielfältigen medialen Kreationen, mit denen Politiker und Parteigliederungen auf sich aufmerksam machen, häufig sehr drollig. Ob es die CDU samt Kuh aus Ahaus oder die Mission der Jungen Union aus Tempelhof-Schönberg ist,  die Leute habens ich Gedanken gemacht und hingesetzt und Arbeit reingesteckt in ein Ehrenamt. Das ist viel mehr, als sich viele Leute in unserer Gesellschaft überhaupt befleissigen zu tun.

Nun viralisierte ja vor einiger Zeit dieses Supergeil-Video, welches von einem Berliner Musikprojekt namens Der Tourist produziert wurde. Aufgrund des Zuspruchs hat sich dann gedacht, geben wir den ganzen Leuten doch die Möglichkeit, sich hier kreativ zu betätigen.

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Quelle: Screenshot https://www.facebook.com/dertouristberlin/posts/10203305286932721

Das hat sich auch die Junnge Union Darmstadt zu Herzen genommen und mit einem freien Beat an Anlehnung an das Ursprungslied ein Video kreiert. Das Video wurde  aus dem Netz genommen – ich hab das Video auch vorher nicht gesehen, kann also nichts zur Qualität sagen –  denn jetzt kommt der superungeile Part:

tourist-supergeil-fb

Quelle: Screenshot https://www.facebook.com/dertouristberlin/posts/526933067418881

Jetzt plötzlich will man also gefragt werden? Nachdem man am 3. März noch groß verkündet hat, man könne damit machen, was man will? Aber es ist ja egal, schließlich hätte man es der JU nicht erlaubt, weil es die JU ist. Passt ja so gar nicht in das hippe, urbane, irgendwie linke (und finanziell vollkommen am Boden liegende) Berlin.

Ich finde es schon ein wenig merkwürdig: Die Union als einzige Gruppierung, die mehrheitlich Urheberrechte recht rigide gerade im Netz stärken und damit Künstlern einen Teil ihres Einkommens zu erhalten, wird von vielen Künstlern eher milde belächelt, wenn nicht sogar abgelehnt. Wäre ja mal ein supergeiler Gedanke, sich über solche Zusammenhänge klar zu werden.