{"id":898,"date":"2021-07-09T13:44:17","date_gmt":"2021-07-09T12:44:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ziebke.net\/blog\/?p=898"},"modified":"2023-01-12T22:54:48","modified_gmt":"2023-01-12T21:54:48","slug":"warum-einsatzrueckkehrer-kein-handeschuetteln-brauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ziebke.net\/blog\/2021\/07\/09\/warum-einsatzrueckkehrer-kein-handeschuetteln-brauchen\/","title":{"rendered":"Warum Einsatzr\u00fcckkehrer kein Handesch\u00fctteln brauchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist fraglos nicht alles in den letzten Jahren perfekt gewesen f\u00fcr deutsche Soldatinnen und Soldaten. Es gibt gute und berechtigte Gr\u00fcnde f\u00fcr Kritik. Derzeit findet aber eine Diskussion statt, die ich f\u00fcr unredlich halte.<br><br>Seit Mitte letzter Woche, als die letzten Soldaten ausgeflogen wurden, h\u00e4lt diese Diskussion an und Politiker springen auf diesen Zug auf und versichern, sie w\u00fcrden die Arbeit der Soldaten sch\u00e4tzen und w\u00e4ren gerne gekommen.<br><br>Die fehlende Pr\u00e4senz von Politikern bei der R\u00fcckkehr der letzten Einsatzsoldaten lie\u00dfe tief blicken und sei \u201erespektlos, w\u00fcrdelos, achtungslos\u201c.<br><br>Ich wei\u00df, wie es sich anf\u00fchlt, Soldat zu sein und <a data-type=\"post\" data-id=\"626\" href=\"https:\/\/www.ziebke.net\/blog\/2014\/01\/28\/vor-10-jahren-good-morning-afghanistan\/\">ich wei\u00df, wie es sich anf\u00fchlt, im Einsatz zu sei<\/a>n und zur\u00fcckzukommen. Vor 20 Jahren begann meine Dienstzeit als Soldat und von Januar bis Juli 2004 war ich im Einsatz in Afghanistan.<br>Soldaten sind nicht Soldaten geworden, weil sie Anerkennung wollen. Es sind gerade in den Auslandseins\u00e4tzen Profis in ihrem Bereich, die auf diese Verwendung \u00fcber Monate hinweg hin ausgebildet wurden. Sie erwarten, dass Ihnen die Mittel zur Verf\u00fcgung gestellt werden, um ihren Auftrag zu erf\u00fclllen. Eine mangelhafte Ausstattung mit Personal und Material ist respektlos.<br><br>Entgegen dem Eindruck, der gerne in den Medien transportiert wird, gab es schon immer Appelle f\u00fcr Soldatinnen und Soldaten, sowohl zur Verabschiedung in den Einsatz als auch nach der R\u00fcckkehr. Aber in der N\u00e4he des Standortes und mit einigen Wochen Abstand. Mich hat 2004 kein Politiker am Flughafen in Berlin begr\u00fc\u00dft und das war gut so. Ich war gerade ein halbes Jahr ohne jede Privatsph\u00e4re bei zuletzt \u00fcber 40 \u00b0C in einem Feldlager, in dem der Staub sich \u00fcberall festsetzt und man fast durchgehend seinen Dienst verrichtet. Ich wollte am Flughafen in den Sammeltransport Richtung Heimat, Duschen und ins Bett und nicht von fremden Leuten begr\u00fc\u00dft werden. Wenn man die Soldaten in so einer Situation nicht mit vermeintlich gut gemeinten Willkommensveranstaltungen aufh\u00e4lt, ist das in meinen Augen sogar sehr respektabel.<br><br>Hinzu kommt, dass eine solche Begr\u00fc\u00dfung auch einen falschen Eindruck bei den Soldaten hervorrufen kann. Auch, wenn viele Politiker hehre Ziele verfolgen, bin ich mir sicher, dass auch eine solche Veranstaltungen nicht ohne Presse und Eigendarstellung der Politiker einhergehen wird. Wenn bei den R\u00fcckkehrern dann der Eindruck entsteht, man w\u00fcrde sie aus PR-Gr\u00fcnden instrumentalisieren, das w\u00fcrde das gerade die Achtungslosigkeit bedeuten, die kritisiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich in diesem Zusammenhang aber tats\u00e4chlich respektlos finde, ist der Journalismus, der die Soldatinnen und Soldaten instrumentalisiert, um mit einer billigen Politikschelte Auflage zu erreichen, ohne dass dies in ihrem Sinne w\u00e4re. Einsatzr\u00fcckkehrer brauchen kein H\u00e4ndesch\u00fctteln.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist fraglos nicht alles in den letzten Jahren perfekt gewesen f\u00fcr deutsche Soldatinnen und Soldaten. Es gibt gute und berechtigte Gr\u00fcnde f\u00fcr Kritik. Derzeit findet aber eine Diskussion statt, die ich f\u00fcr unredlich halte. 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