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Ganz schön staubig

29. November 2014 – dieses Datum springt mir jedes Mal ins Auge, wenn ich meinen Blog aufrufe, um – da bin ich ehrlich – die notwendigen Updates zu fahren oder zu schauen, ob alles im Reinen ist. An diesem Tag habe ich meinen letzten Post hier veröffentlicht. Zu einem Beitrag hat es aber zwischenzeitlich nicht gereicht, wobei mir weniger die Themen, als die Zeit gefehlt haben. Ich gelobe Besserung. Daher kann dieser Post hier als Auftakt für eine neuerliche Aktivitätsphase genommen werden, denn zumindest für eine Weile hält eine gewisse Aktivität bei mir ja vor.

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Das Großunternehmen und die JU-Marionette

Heute stieß ich im manager magazin auf den Artikel „Wirtschaftsprüfer PwC hilft Nachwuchs-Star der CDU nach Kräften„, der vermeintlich investigativ die Verbindungen zwischen Paul Ziemiak und einem der großen deutschen Wirtschaftsprüfer aufdecken will. Als alter JUler im Hezen bin ich nur wieder extrem enttäuscht von der Qualität dieses Artikels. Nachdem ich vor kurzem unter „Diktatur bei der Jungen Union?“ mehrfach einen Welt-Artikel mit massiven Fehlern beäugt habe, ärgert mich diese Häufung von vermeintlichem Journalismus mit dem Ziel, in der Jungen Union für Unruhe zu sorgen.

Das Hauptproblem bei dem Artikel von Dietmar Palan im manager magazin ist allerdings nicht die massive Verwendung von falschen Information wie im Artikel in der Welt, sondern das Fehlen jeglicher relevanter Information. Nach der reißerischen Überschrift und der Subheadline, die das „Strippenziehen“ von „Deutschlands größtem Wirtschaftsprüfer“ ankündigt, kommt nur noch heiße Luft.

Denn, nach Einleitung in die „delikate Konstellation“ wird aufgedeckt, dass zumindest 4  in Worten: vier! – Mitglieder mit CDU-Parteibuch für PwC arbeiten. Wenn man das in Relation zu den knapp 9.300 Mitarbeitern von PwC in Deutschland setzt, dann ist das schon gewaltig. (Ich kenne persönlich noch einen weiteren PwC-Partner mit Parteibuch und Funktion, aber pssst…)

Wenn ich in einem Unternehmen arbeite und dafür entlohnt werde, dann erschließt sich mir nicht, weshalb dadurch mein politisches Engagement unterstützt werden sollte. Wenn ich nach Feierabend mein Büro verlasse und Abends die Vorstandssitzung meines CDU-Ortsverbandes leite, dann wird dies durch meinen Arbeitgeber weder unterstützt noch verhindert, sondern nicht im Ansatz tangiert. Es ist meine Freizeit, in der ich tun und lassen kann, was ich will.

Aber es ist wohl müßig, sich darüber aufzuregen; die Presse oder zumindest Teile dieser finden es wohl amüsant, sich in die Nachfolge von Philipp Missfelder einzumischen.

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Ranzige Butter

Nachdem ich mich erst kürzlich über die sehr fragwürdigen Folgen von Scherzbetreffen bei Überweisungen moquiert habe, bin ich heute über den Streit um ranzige Butter gestolpert.

Laut Medienberichten hatte eine Kundin ranzige Butter gekauft. Ärgerlich, fürwahr. Die Kundin brachte diese Butter zurück und bekommt, das war der Presse nicht zu entnehmen, wahrscheinlich entweder ihr Geld zurück oder neue Butter. Bis zu diesem Punkt ein normaler Vorgang, wie ich ihn von meiner Sozialisation und Geisteshaltung auch nachvollziehen kann. Für mich wäre der Vorgang nun abgeschlossen.

Jetzt passierte Folgendes: Die Kundin fragte mehrfach bei Aldi Nord nach  Laborergebnissen. Diese wollte Aldi nicht herausgeben, die Kundin ging zu Foodwatch und diese Organisation übernahm die Anwaltskosten für die Klage auf Herausgabe der Laborergebnisse. Aldi gab dann irgendwann die Ergebnisse doch heraus und die Kundin bekam ihre Auskunft.

Am liebsten würde ich jetzt wieder das Jackie Chan Meme bemühen: Mit was für Problemen beschäftigen wir uns eigentlich heute in dieser Gesellschaft? Zwei Päckchen ranzige Butter? Ernsthaft? Da war jetzt kein Rattengift drin oder Rasierklingen. Die war ranzig.

Ich für meinen Teil hätte die Butter wohl weggeschmissen. Für die 3,50 Eur0 wäre ich nicht nochmal zu Aldi gefahren. Beim nächsten Mal hätte ich dann in der Filiale Bescheid gesagt und neue Butter gekauft. Ist die in Ordnung, buche ich das als Einzelfall, ist die wieder nicht in Ordnung, kauf ich eben künftig woanders. Und gut ist.

Es geht mir nicht darum, das Recht der Kundin einschränken zu wollen – nur geht mir diese Denkweise vollkommen ab, dort irgendwelche Laborergebnisse haben zu wollen, mehrfach nachzufragen oder gar zu klagen. Und wenn sich dann solche und ähnliche Vorfälle häufen – und es Lobbyorganisationen gibt, die das auch noch unterstützen – dann frag ich mich wirklich, wo es gesellschaftlich hingeht.

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Was läuft hier nur falsch?

Der Bayrische Rundfunk hatte berichtet, dass ein Bankkunde, der einem Freund in der Schweiz Geld überweisen hat mit einem Scherzbetreff nun die nächsten 10 Jahre auf einer schwarzen Liste der Bundesbank steht.

Was war passiert: Ein Bankkunde mit islamisch klingendem Namen hatte einem Freund für einen Urlaub Geld überwiesen. Um den Freund zum Lachen zu bringen, hatte er in den Betreff für die Überweisung „danke für die nacht … kommune1 … bin laden.“ eingetragen. Ob das nun jeder lustig findet, oder nicht, ist in meinen Augen unerheblich. Ich finde unter Freunden bei kleineren Beträgen Spaßbetreffe durchaus nicht unüblich.

Nun gibt es wohl ein automatisiertes System, dass nach bestimmten Wörtern filtert, um Geldwäsche und Terrorismusfinzanzierung zu entdecken. Allein die Kreativität der Schlüsselwörter hat mich zutiefst beeindruckt. Da „bin laden“ wohl ein Kennwort in der Terrorismusfinanzierung ist, sollten Leute, die Geld waschen lieber keinen Betreff verwenden wie „Schwarzgeld aus Drogenhandel“.

Auch, wenn wohl alle Beteiligten der Ansicht sind, der Verdacht ist unbegründet, steht der Kunde jetzt 10 Jahre auf einer Liste seiner Bank und der Bundesbank – wohl gemerkt: bei einem UNBEGRÜNDETEN Verdacht. Gleichwohl wird darauf hingewiesen, dass es Auswirkungen auf Kredite, Reisen, etc. haben kann. Das war der Punkt, wo ich das erste Mal dachte, irgendwas läuft hier aber vollkommen schief. Oder um es mit einem Meme zu sagen:
What the Fuck Meme

Jetzt passiert in einem zweiten Schritt etwas, was mich fast noch mehr aus der Bahn wirft: Das ganze Verfahren wird kritisiert – in meinen Augen zu Recht. Aber die Hauptkritik, die derzeit vom Bayrischen Datenschutzbeauftragten vorgetragen wird, dreht sich um den Output und die Konsequenzen für den Betroffenen. Das bayrische LKA findet das Instrument total toll, das bayrische Innenministerium verweist nur dorthin und die SPD-Landtagsfraktion möchte eine wissenschaftliche Begutachtung.

An diesem Punkt konnte nicht einmal das Jackie-Chan-Meme ausdrücken, was ich dachte. Wird da allen Ernstes über dieses System diskutiert? Bin ich der Einzige, der bei der Verknüpfung von „bin Laden“ im Betreff und ausgelösten Alarmglocken in Sachen Terrorverdacht schon am dem Punkt war, wo er den Stecker ziehen wollte und zwar ohne große ernsthafte Diskussion? Dazu genügt doch manchmal wirklich der gesunde Menschenverstand.