Politik
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Vertrauen

Ich mache mir meistens die Mühe und versuche, mir bei politischen Themen selbst eine Meinung zu bilden. Und obgleich ich einer Partei¹ angehöre, bedeutet das nicht, dass ich immer zum selben Schluss komme, wie diese. Das ist in den meisten Fällen in Ordnung, weil es vielfach Argumente für und gegen ein Vorhaben gibt.

Aber wenn ich mir die Diskussion um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger anschaue und nach eingängiger Prüfung keine guten Gründe dafür, sondern viele Gründe gegen das LSR sehe – hier sei auf meinen letzten Blogpost verwiesen – und sich die CDU noch immer dafür ausspricht, dann kommt der Punkt, an dem ich mich frage, warum ich der Partei in anderen Punkten, die ich für wesentlich komplexer halte, weiterhin vertrauen soll.

Die gesamte Diskussion um die Griechenlandhilfen ist so ein Punkt. Ich maße mir hier kein Urteil ob der Sinnhaftigkeit an, da ich dieses Thema für sehr komplex halte und ich weder Lust noch Zeit habe, mich entsprechend einzuarbeiten.

Das ist aber auch in Ordnung, da ich eigentlich meiner Partei ein Grundvertrauen entgegenbringe, sich – im Sinne der repräsentativen Demokratie – durch die Mandatsträger nach gründlicher Abwägung von sachlich nachvollziehbaren Argumenten für oder gegen ein Vorhaben zu entscheiden.
Wenn man – wie beim LSR – aber den Eindruck gewinnt, diese Abwägung hat nicht sachdienlich stattgefunden, dann kommt irgendwann der Punkt, wo man dieses Grundvertrauen auch bei vielen anderen Dingen und zu guter Letzt auch grundsätzlich verliert.

Das wäre, zumindest aus meiner Sicht, bedauerlich.

¹Wenn ich hier von Partei rede, dann meint dies sowohl die Partei als solches als auch die Fraktion und die entsprechenden Mitglieder der Exekutive. Ich habe dies der besseren Lesbarkeit halber vereinfacht.

3 Kommentare

  1. Tja, Du sprichst einen veritablen Punkt an, bei dem ich ganz ähnlich auch immer mehr ins Grübeln komme. Vertrauen als Komplexitätsreduktion funktioniert letztlich nur, wenn dieses unbeschädigt bleibt. Ähnlich wie bei „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht — und wenn er auch die Wahrheit spricht“ führt mich die Extrapolation von Partei-/Fraktionsverhalten/-haltung auf Problemstellungen, die ich beurteilen kann, immer mehr in die Vertrauenskrise. Da läuft bei mir so langsam wohl ein Faß über…

    • Die Vertrauenskrise ist wohl eine der größten Hürden der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Wir speichern immer mehr, wer wann etwas falsch gemacht hat und erinnern uns viel besser daran bzw. können es dann nachschlagen. So verliert jeder Politiker an Glaubwürdigkeit, viel schneller.

      Die grundsätzliche Frage, die sich für mich stellt: Wie ist Vertrauen in diesem Falle überhaupt gestaltet? Ist es rationales Vertrauen, das sich auch vergangene Erfahrungen stützt oder wenigstens auf nachvollziehbare Grundsätze, die auf bestimmte Handlungen in der Zukunft schließen lassen? Oder ist es irrationales Vertrauen, dass sich nur aus einem Gefühl speist? Oder ist es gar nur ein Vertrauensvorschuss, wie bei einem Menschen, den man neu kennen lernt? Ich habe noch nicht herausgefunden, was dort überwiegt – oder wie verschieden das bei den Menschen ist.

  2. Pingback: Zur Anhörung im Rechtsausschuss | Meine Sicht der Dinge

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